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Textprobe

 

Mutwillige Sommervögel“

aus dem Text „Die Asiatin oder mit offenen Augen herumsitzen“.

In der Zwischenzeit darf ich mich nicht belügen; so lebt man sich die erdachte Seele aus dem Leib: Im Gehen die Menschen erkennen … den Verlorenen sollte ich nachreisen. Den Antipoden der Schlachthöfe. Den Schneidern himmlischer Hosen. Dem kleinen Prinzen ständig und ohne darüber nachzudenken. Atem holen. Die Planung: Die Entführung aus dem…, aus den Milchküchen (DAS wäre endlich etwas wirklich Banales). Schon habe ich mich auf den Weg dorthin gemacht. Wie lächerlich erscheinen mir die Orte meiner beinahe vergessenen Aufenthalte: Vorbei Park, dahin Museum, hinweg gutes Zimmer mit all deinem gut gemeinten Ramsch, verdrängt: Die Schlachthöfe, verglüht: Ayers Rock, verachtet, nie besuchte Chinesische Restaurants. Voran, es geht zu den Milchküchen! - wo Menschen schweigend auf das Ende ihrer Blindheit warten. Das Sehen ist eine Sprache; das Schauen eine andere. Und eines Nachts: Zartes, scheues Vogelgezwitscher hören, aus jener Richtung, wo man in der Dunkelheit den Rand des Waldes vermutet. Dennoch erweist sich die Reise zu den Milchküchen dieser Stadt als denkwürdiger als jede Erinnerungsfälschung: Der klebrig kalte Schweiß im Rücken, die kribbelnden Füße, die Müdigkeit (1), die schmerzenden Augen - in der Dunkelheit des Abends nur komme ich voran -, die Gedanken an… (und deinen Turm, verdammter Hölderlin, vor Augen); demnach: Die Müdigkeit (2) ; die Stadt und ihre Straßen immer noch nicht kennen. Das Gebäude (zum ersten Mal bewusst wahrgenommen): Selbstverständlich gehe ich sofort und ohne Zögern hinein, durch irgendeinen Hintereingang – Vordereingang – Geheimeingang – Unbekanntenausgang - Aufjedenfalleingang: Und vermisse die beschauliche blaue, weiße, stille, kleine Ruhe jenes Raumes, wo einstmals tagsüber (!) die Zugeherinnen ihr ruhiges, kleines wichtiges Tagwerk begingen. Hier aber fährt mir DIE HALLE, weiß, unermesslich in ihren Ausmaßen, ruhig, aber doch in ihrem Inneren bewegt und voll der unermesslichsten Geräusche, ins Gesicht. Ins Innere. Hier sollte sie sich aufhalten (zu später Stunde noch?), die Zugeherin, die keusche, den Blick verweigernde Despotin.

 

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